20.09.2005

Nun denkt mal schön nach ...

Klasse! Ein besseres Wahlergebnis hätte es nicht geben können. 80% - 90% der Journalisten, Börsenanalysten und anderer selbst berufenen politischen Spezialisten jammert über die Zahlen, die rechnerisch zwar diverse Konstellationen erlauben, inhaltlich aber hingegen (angeblich) kaum eine.
  • Die CDU will Merkel um jeden Preis zur Kanzlerin machen.

  • Die SPD ist gegen alles, was nicht Schröder zum Kanzler macht.

  • Die FDP ist gegen die Ampel und gegen die Schwampel.

  • Die CSU hat ja immer gewußt, daß es Stoiber diesmal ganz bestimmt besser gemacht hätte, hält aber geflissentlich den Mund, denn wenn alles noch schlimmer kommt, besteht ja die Chance, Merkel aus dem Weg zu räumen.

  • Die Grünen wollen in Jamaica allenfalls Urlaub machen.

  • Die Linke ist eh' gegen alles - und ganz besonders gegen eigene Regierungsverantwortung.


Das ist nun wirklich bitter für alle machtgeilen Partei-Egomanen, die am liebsten alles alleine machen würden. Wie zum Teufel können sie eine Regierung bilden (und das müssen sie nun mal), ohne Kompromisse einzugehen!?!

Die Wähler haben gesprochen - und es ist bittere Medizin: Ohne Kompromisse gibt's keine handlungsfähige Regierung. Wenn die die Parteien also nicht selber demontieren und alle Glaubwürdigkeit verlieren wollen, müssen sie sich irgendwie zusammenraufen! Das wird weh tun, aber das Gute daran ist, daß nun alle (nicht nur SPD & Grüne) in dieser Situation sind.
Jetzt haben die Parteien die Chance, zu beweisen, daß sie ihre parteipolitischen Scheuklappen ausziehen und abseits von unbewiesenen politischen Glaubenssätzen, auf sachlicher Ebene Probleme lösen können.
Im Falle von eindeutigen Mehrheiten läßt sich vieles ideologisch erklären und argumentieren. Bei einem solchen Patt klappt das nicht mehr, denn dann gäbe es keine Lösung.

Ob nun Ampel, Schwampel oder Schrot (schwarz-rot) - am Reformbedarf gibt es keinen Zweifel. Bislang saßen CDU/CSU, FDP und PDS gemütlich im Bundestag und Bundesrat und haben jede im Bundesrat zustimmungspflichtige Entscheidung bis zur Unkenntlichkeit verwässert. Im Falle einer CDU+CSU+X-Regierung wird es diese Blockade auf Bundesratsebene nicht mehr so geben.
Es wird aber auch nicht die in der Wahl von CDU+CSU+FDP angekündigten politischen Rundumschläge geben können.

Wer in vier Jahren wieder gewählt werden will, wird sich als Problemlöser profilieren müssen...

06.09.2005

CDU oder: Censur Des Unangenehmen

Die CDU hat es geschafft. Sie haben einen eigene Homepage und ein Diskussionsforum, in denen jedermann eifrig mitdiskutieren kann. Und sie haben - ähnlich wie in totalitären Systemen eine Zensur, die unangenehme Posts ohne Angabe von Gründen löscht. Das ist ihr gutes Recht, denn schließlich ist es die Website der CDU und sie weisen darauf hin. Allerdings behaupten sie, nur solche Beiträge zu löschen, die gegen das deutsche Presserecht verstoßen - und natürlich "Polemik" und "Falschmeldungen". Kritische Beiträge, die nicht explizit Wahlaufrufe für die Konkurrenz enthalten, werden nicht auf der Streichliste (davon hat die CDU offensichtlich mehr als eine!) erwähnt.

Dennoch: Gerade in Wahlkampfzeiten will die CDU natürlich nicht die Meinungsführerschaft auf ihrer Homepage verlieren. So wirft die Art, wie zensiert wird ein allzu deutliches Licht auf die Ideen der CDU.

Ganz offensichtlich geht man mit gezielter Willkür vor. Es werden nicht etwa alle Beiträge gelöscht, die aus CDU Sicht negativ sind, sondern gezielt solche, denen man leider mit Argumenten nicht beikommen kann - unter anderem, weil sie unangenehme Wahrheit enthalten.
Hier eine Liste der Top-Zensur-Auslöser:
  • Der Rolling Stones Song "Angie" und der inhaltliche Vergleich mit einer Kanzlerkandidatin.

  • Die Kanzlerkandidatin verplappert sich, wenn sie unter Streß steht: Kann brutto und netto nicht unterscheiden, dichtet dem Genossen Kirchhof vier Töchter an, obwohl dieser zwei Töchter und zwei Söhne hat.

  • Die Kanzlerkandidatin sagt die Unwahrheit bzgl. ihrer Beteiligung am Schwangeren- und Familienhilfegesetz während ihrer Zeit als Jugendministerin.

  • Das Zurückweisen von Nazivergleichen als schlechten politischen Stil im Diskussionsforum.
Ist das nun schlimm? Nunja, für die CDU ist offensichtlich jeder qualifizierte Kommentar schlimm. Man hat schon die letzte Wahl verloren und möchte nun offensichtlich alles dafür tun, daß das nicht mehr passiert. Was man nicht widerlegen kann, darf nicht sein.
Da muß man auch niemandem gegenüber Rechenschaft ablegen.

Fragen mag ich mich eines nun wirklich nicht mehr: Was passiert, wenn die CDU tatsächlich die Wahl gewinnt?

04.09.2005

The same procedure as every election, James!

Now they have finished their first debate on TV ... Schröder vs. Merkel. What a fight! Boring, annoying, manipulative. And afterwards representatives of different parties indicated that (of course) the person they supported had won the debate. Ooops?!?! How come?!?!
Considering myself as an average voter it always strikes me, if explanations are miles away on meta or metameta levels and do not seem to have much connection to what was actually said. Fortunately this is commonly the case when people try to summarize an outcome they do not like at all. It's like with the annual figures about aids spreading over the world. Since we all know that the number of infected people is not decreasing we get away by looking at the increase of the number of new infections. The total number of infected people is still rapdily increasing, but - hey! - the increase decreased by 1%. Praise the lord! Vote for the CSU! CDU! Green Party! FDP! ...

Who cares about all experts telling us that the current price for oil is rather a matter of speculation and companies sucking our blood - and NOT a real shortage of oil! Politicians still try to get votes by promising to free some of the oil reserves - like shortsighted firefighters that confuse a water tank with an oil tank and afterwards claim that they at least did try to do something. Indeed! Just the wrong thing, because while thinking about what the other parties would say, they lost time for developing a good solution.

Yes, I have to admit, it's all about magic. And a colorful lie sells much better than the truth in black & white. If the world economy is going down, we claim that our politics was OK, but the economy was just too bad. If economy gets well and things look fine, we claim that it's all our success. If we do not know what to do, we claim that we need economical growth and promise we will create it (without telling anybody HOW) and postpone everything to an undefined point in the future! In other words: we could as well walk into the next casino with our countries' money and play roulette, but we declare that we have "a system" to generate growth.

If it does not work like that, we can still blame it on world economy or (even better) of the unwillingness of the society to support our reforms (usually the George Bush principle: Take from the poor and give to the companies.) Too bad that reality sometimes crosses our paths and we have to be strong, close our eyes and stumble forward.

02.09.2005

Drüben New Orleans ...

... sterben Amerikaner... und einige ermorden andere. Hier in Deutschland scheinen zumindest einige Deutsche die Bedeutung des Worts "Menschlichkeit" vergessen zu haben. Oder warum sonst könnten sie ernsthaft vorschlagen, nicht zu helfen?

Als der Tsunami Südostasien getroffen hat, wurden keine Stimmen laut, daß die Regierungen der betroffenen Länder ja selbst schuld seien, weil sie keine Gegenmaßnahmen getroffen hätten. Es kam auch niemand auf die Idee, Hilfe zu verweigern, weil man ja auch nie Hilfe aus Südostasien bekommen habe. Erst recht gab es keine Stimmen, daß man diesem oder jenem Land nicht helfen wolle, weil es von einem rechten Stinkstiefel regiert werde.

Aber jetzt wird solcher Müll bezogen auf die USA verbreitet. Wild gemischt mit "Mir tun ja die Leute schon leid.", "Die Amis sind ja blöd - sonst hätten sie nicht diesen Präsidenten.", "Sie hätten es besser wissen müssen ins New Orleans - war doch klar, daß das passieren würde."

Ja, Amerika ist kein armes Land. Aber die Engpässe und Probleme jetzt zeigen, daß die Amerikaner nicht allmächtig sind. Man mag es ihnen als Naivität ankreiden, daß sie sich ab und zu mächtig mächtig fühlen und dementsprechend mächtig ungeschickt durch die Weltgeschichte watscheln. Sie erwecken oft einen sehr arroganten Eindruck. Ihnen deswegen oder wegen ihres Präsidenten Hilfe zu verweigern ist aber nicht fair.

Denn in der gleichen Naivität und Betroffenheit helfen sie auch anderen, wenn ein Unglück geschieht. Nach dem Tsunami haben sie tief in ihre Geldbörsen gegriffen und gespendet. Und das waren sicherlich nicht nur die reichen Amerikaner, sondern auf die 13 Millionen Amerikaner die als arm gelten...

01.09.2005

Treue und Dachlatten

Was macht man, wenn man einem 2-Firma-Ex-Kollegen eine Dachlatte nach der anderen gegeben hat, er aber immer noch nicht die Firma verlassen will, die grad' den Bach herunter geht? Er steht mit unverbrüchlicher Treue zu einem Laden, dessen Zukunft mehr als fraglich ist.

Ehrlich: Wer sich heute mit Vasallentreue an seine Firma hängt, hat nicht verstanden, wie die Wirtschaft funktioniert. Die Zeiten, in denen Treue absehbar belohnt wurde, sind lange vorbei. Die Firmen juckt Treue wenig. Sich werfen Dich raus - egal wie lange Du dort warst, egal wie gut Du gearbeitet hast. Was zählt ist nur: Was kostet es uns, Person X zu halten, und was kostet es, Person X loszuwerden?

Ich habe natürlich generell nichts gegen Treue. Aber bei einer Firma sollte man sich bewußt sein, daß man keine Gegenleistung erwarten kann. Je größer die Firma, desto unwahrscheinlicher ist es, daß Treue belohnt wird! Denn in großen Firmen sind die eigentlichen Entscheider am wenigsten persönlich in die Kündigung involviert. Das Management macht einfach die Abteilung dicht, in der Du sitzt. Sagen braucht man das nur dem Abteilungsleiter, den man gleich als ersten rauswirft und als letzte Aufgabe den Rauswurf der Mitarbeiter aufdrückt. (Du glaubst vielleicht, Dein Job sei sicher, denn Deine Abteilung macht Gewinn! Pustekuchen! Kommt das Management auf die Idee, "die Firma auf Kernaufgaben zu fokussieren", trifft das mitunter eben auch profitable Bereiche.)

Sicher: ein paar Leute werden betroffen sein, wenn Du rausgeschmissen wirst - besonders diejenigen die Du gut kennst und diejenigen, die Dir die Nachtricht überbringen dürfen. Der Rest wird sich nur insofern darum kümmern, als sie sich Sorgen um sich selbst machen werden.

Besser, Du kümmerst Dich früh genug um Dein eigenes Wohlergehen und handelst bevor Du zum Handeln (zur Jobsuche) gezwungen wirst.

DEINE FIRMA LIEBT DICH NICHT - ES GIBT NUR ZEITEN, IN DENEN SIE DICH DRINGEND BRAUCHT!